Zauberwelt Anden

Auszüge aus dem Reisetagebuch

Huancayo

Ankunft im 3260m hoch gelegenen Huancayo. Tiefes Einatmen. Endlich sind wir dem Großstadtsmog von Lima entkommen. Die Luft ist frisch, kühl und klar. Durch schmale Gassen schlängeln wir uns in Richtung des zentralen Platzes der Stadt. Frauen mit bunten Röcken und Hüten kreuzen unseren Weg. Ihre sonnengegerbten, tief zerfurchten und vom Höhenklima gezeichneten Gesichter lassen keine Miene, keine Gefühlsregung erkennen.

Mantaro-Tal

Die Straßen und Pisten führen entlang winziger Dörfer, welche manchmal nur aus 3-4 Häusern bestehen. Alte Lkw-Wracks säumen den Straßenrand, träumen den Schlaf der Ewigkeit. Kinder und Hunde tollen dazwischen um die Wette. Von der harten Feldarbeit gezeichnete Menschen sitzen auf Plastikstühlen, umhüllt vom aufgewirbelten Staub der Straße. Ochsen werden über Felder getrieben. Unglaublich, wie hart sich die Menschen hier ihr Leben am Existenzminimum erkämpfen müssen.

Bergtour am Huaytapallana

Um 07.30 Uhr werden wir von einem einheimischen Taxifahrer abgeholt. Wir fahren quer durch die Stadt. Unser Fahrer besorgt sich zunächst Frühstück. Dann erst mal zu einer (von außen nicht als solche erkennbaren) Werkstatt. Fahrzeug mittels eines mickrigen Wagenhebers aufbocken. Insassen bleiben selbstverständlich im Fahrzeug sitzen. Reifen runter, flicken, Reifen wieder drauf. Fertig.

Dann geht es los. 5 km Asphalt, ca. 25 km Schotterpiste hinauf in die Berge. Geröll, Schlaglöcher. All das mit einem gewöhnlichen Straßen-Pkw, welches natürlich in regelmäßigen Abständen hart durchschlägt und aufsitzt (meine Stoßgebete richten sich zu diesem Zeitpunkt einzig und allein an das Durchhaltevermögen der malträtierten Ölwanne). Für diese knappen 30 km benötigen wir fast 2 Stunden!

Nach einer Weile des auf Grund der Höhe kräftezehrenden Aufstiegs erreichen wir 4800 Meter Höhe und sind damit so hoch wie der höchste Berg Europas. Überwältigt von der Landschaft, die nun den Blick auf den Gipfel des Huaytapallana und die umliegenden smaragdgrünen Bergseen preisgibt, setzen wir uns auf den steinigen Boden, Essen eine Kleinigkeit und genießen die Aussicht und Faszination des Moments.

Auf etwas über 5000m erreichen wir dann das ewige Eis des Huaytapallana.

Als Abstieg wählen wir nicht den gleichen Weg sondern eine längere und landschaftlich noch reizvollere Route. Diese Route führt uns entlang zweier Seen, die mit einem in Glanz und Farblichkeit fast surrealen Smaragdgrün prahlen. Wie Glas, ohne jegliche Regung, liegen diese Wasseroberflächen inmitten der schroffen Bergwelt.

Busfahrt nach Ayacucho

Nach unzähligen Pistenkilometern entlang steiler Andenberghänge und mehreren über 4000m hohen Pässen, gelangen wir in ein weites Tal. Wir durchfahren Wasserfurten oder überqueren diese über schmalste wackelige Brücken. Die Busfahrer verstehen ihr Handwerk.

Die Landschaft, die sich uns nun bietet, könnte einem amerikanischen Western entspringen. Wir durchfahren Canyons von atemberaubender Schönheit. Steil ragen die rötlichen Felswände zu beiden Seiten unseres Fahrzeugs empor. Die Vegetation besteht aus trockenem Steppenbusch und riesigen Säulenkakteen

Quinua

Wir schlendern durch die engen gepflasterten Gassen des beschaulichen Örtchens und bestaunen die hauptsächlich aus Ton hergestellte Handwerksware.

Auf jedem Dach der bescheidenen Häuschen des Dorfes thront eine kleine Kirche, bunt bemalt und mit schiefen Kirchtürmen. Diese sollen böse Geister fernhalten und den Haussegen bewahren.

Busfahrt nach Cusco

Nach 9 Stunden kommen wir um 04.00 Uhr morgens am Busbahnhof in Andahuaylas an, wo wir auf den Anschlussbus nach Cusco warten müssen. Der wiederum fährt erst um 09 Uhr ab. 5 Stunden Aufenthalt also.

Es ist bitter kalt, auf jeden Fall unter 0 ° Celsius. Durch den Bahnhof weht ein stechend kalter Wind. Wir kauern uns in einer Ecke auf den Boden und hüllen uns in unsere Schlafsäcke ein. Ich würde alles für eine Isomatte gegen die eisige Kälte des gefliesten Bodens geben.

Endlich fährt der Anschlussbus ab. Nach Aussage der Busgesellschaft dauert die Weiterfahrt nach Cusco nochmals etwa 9 Stunden.

Die Fahrt scheint kein Ende nehmen zu wollen. Langsam wie eine Schnecke kriecht der Bus die Schotterpisten hinauf und selbst als Asphalt unter die Räder kommt, erhöht sich dessen Reisegeschwindigkeit nicht merklich.

Dafür werden wir abermals mit den tollsten Ausblicken auf die Andenlandschaft belohnt. Auf meiner linken Fensterseite fällt die Straße abrupt mehrere hundert Meter steil ab. Ich blicke direkt in den Abgrund und bete, dass der uralte Reifen des Busses nicht meiner Blickrichtung folgen wird. Dann hinter der nächsten Kehre: Strahlende Gletscherketten, deren weiße Kappen sich mächtig über die tiefer gelegenen und golden schimmernden Berghänge erheben.

Gegen 21 Uhr erreichen wir Cusco und blicken von weit oben auf ein glimmerndes Lichtermeer. Insgesamt waren wir jetzt 27 Stunden unterwegs!

Titicaca-See, Insel Amantani

Mit einem kleinen Boot fahren wir zweieinhalb Stunden zur Insel Amantani. Dort finden wir Unterkunft bei einer einheimischen Familie. Wir bekommen ein kleines Zimmer über einer Vorrats- und Viehscheune. Kein Strom. Kerzen dienen als Lichtquelle.

Wir essen in einem kleinen Stübchen, das sowohl als Küche als auch als Ess- und Wohnzimmer dient. Die Kochstelle ist ein offener Kamin, auf dessen Glut rußig schwarze Töpfe stehen.

Wir wandern zu den Inkaruinen von Amantani, gelegen am höchsten Punkt der Insel.

Dann biegen wir vom Weg ab, stolpern über Mauerreste, Erdklumpen und Geröll bis zum Rand einer Klippe und kauern uns dort hinter einen Felsvorsprung. Wir packen uns dick ein, dann heißt es warten. Und das Warten wird mit einem einmaligen Sonnenuntergang belohnt. Und mit einem gigantischen Fernblick über den tiefblauen Spiegel, der da in ewiger Gelassenheit weit unter uns beginnend sich in unermessliche Ferne zieht, gespickt mit geheimnisvoll anmutenden Inseln, an denen sich das Licht der untergehenden Sonne bricht um dann in abermillionen gleißender Funken auf uns herab zu rieseln.

Paracas-Halbinsel

Wir befinden uns inmitten einer Wüstenlandschaft mit hohen Dünen und goldenem Sand, die bis direkt ans Meer reicht, wo sie dann in einer imposanten Steilküste mündet. Die Wüste hinter, die Steilküste vor und der Strand unter uns, dessen tiefroter Sand einen atemberaubenden Farbkontrast bildet, stehen wir einfach nur da und genießen.

Oase Huacachina

Früh morgens lassen wir uns von einem Taxi zur Oase Huacachina fahren. Die Straße führt zwischen riesigen Sanddünen hindurch. Plötzlich öffnet sich dieses Meer aus Sand und vor uns liegt die Oase. Ein großer See, umgeben von Palmen, Restaurants und schmucken Hostals.

Wir erklimmen eine riesige Sanddüne. Zwei Schritten hinauf folgen eineinhalb Schrittlängen herab rutschen. Der feine Sand martert unsere Oberschenkelmuskulatur.

Der Blick vom Hauptkamm der Düne entschädigt jedoch für diesen kräftezehrenden Aufstieg. Sandmeer soweit das Auge reicht. Wir setzten uns in den warmen Sand und geraten ins Staunen. Vor wenigen Tagen noch schneebedeckte Berggipfel um uns gewusst, gestern die salzige Luft des Pazifiks inhaliert und heute das Rasten inmitten Milliarden winziger Sandkörner, deren Kollektiv eine prächtige Wüstenlandschaft bildet. Welche Kontraste!

Nazca

Wir treten den Flug über die Nazca-Linien mit einer kleinen Cessna an (5 Passagiere). Das Flugerlebnis ist einzigartig. Man spürt jeden Seitenwind, jedes kleine Luftloch. In steilen Kurven in etwa 100m Höhe überfliegen wir die eindrucksvollen Linien. Die mysteriösen Scharrbilder sind hervorragend zu erkennen. Dazu die gebirgig karge Wüste ringsum. Die einsame Panamericana wie ein schwarzes Band bis zum Horizont verlaufend zu erkennen.