2016

Bassano ist super!

Auch im Frühjahr 2016 nutzte ich mit zwei weiteren Fliegerfreunden die guten Bedingungen in Bassano, um mich für die kommende Flugsaison vorzubereiten: thermisch aktive Luft erspüren, Reflexe auffrischen, erste Strecken fliegen… der weite Weg hat sich definitiv wieder gelohnt. Unterhalb des Videos und der Bildergalerie findet ihr noch eine kleine Erzählung.

 

Es ist blau über mir. Noch traut sich kein Wölkchen, den makellos einfarbigen Himmel zu bevölkern. Aber Hand aufs Herz, ich hätte auch überhaupt keinen Blick dafür. Zu sehr bin ich mit dem beschäftigt, das da rings um mich herum geschieht. Eingekeilt zwischen gefühlten hundert anderen flughungrigen Menschen unter bunten Schirmchen, steuere ich im Zickzackkurs relativ planlos durch die typisch dunstige Bassano-Suppe. Nicht gerade die effektivste Zentriermethode für die ohnehin noch schwachen Thermikbläschen. Zu allem Übel macht sich der deutliche Osteinschlag bemerkbar und lässt den Wind über die zahlreichen nach Süden ausgerichteten Geländerippen schwappen. Die leeige pulsierende Luftmasse lässt mich an meinen Steuerleinen zum Marionettenspieler mutieren.

Ich harre aus. Und siehe da, die Geduld wird belohnt – es beginnt sich zu entwickelt. Die Märzsonne feuerte aus allen Rohren. Erste Cumuli bilden sich über dem Massiv des Monte Grappa. Der Singsang des Varios wird konstanter und spricht alsbald eine deutliche Sprache: „losfliegen!“ Also nochmal Höhe tanken und hinein in den Beschleuniger. Die Kante ist aktiv und lässt mich zügig vorankommen. Erstaunlich, wie viel Schnee hier oben im März noch liegt. Ich gleite weiter Richtung Osten. Meine Augen weiden sich an den zahlreich dargebotenen Kontrasten: das funkelnde Weiß der geschlossenen Schneedecke zu meiner Linken, die saftigen Wiesen der beginnenden Po-Ebene zu meiner Rechten.

Einige Kilometer hinter dem Rifugio Vedetta setzte ich meinen östlichen Wendepunkt, tanke in konstanten Aufwinden genüsslich Höhe und fliege zurück in Richtung des Startplatzes. Kurze Zeit später gleite ich über den Oststartplatz Costalunga und blicke über die Brenta in Richtung meiner weiteren Flugstrecke. Ich habe eine komfortable Höhe und so wähle ich die direkte Route zum Massiv des Monte Caina. Keine gute Entscheidung, stelle ich bald fest. Der überregionale Ostwind macht sich hier wieder bemerkbar und lässt die Luft über dem Brenta-Tal zügig hinab purzeln. Ich stehe voll im Gas, das Vario grunzt mich unflätig an und scheint mir verhöhnend zuflüstern zu wollen: „ja, auch heute wäre der Umweg mit einem großräumigen Bogen hinüber zum Südausläufer klüger gewesen, du Narr.“ Zu spät – mit wenig Höhe unter dem Hintern schramme ich über die bewaldete Kante des Caina. Dahinter tröpfelt es nur noch zäh nach oben. In einem Nullschieber eiere ich hin und her, bin alsbald zu ungeduldig und kratze weiter entlang der Südhänge. Heute tut sich leider keine unverhoffte Tankstelle auf. Zwischen sanften Hügeln kurz vor Marostica setze ich auf einer saftig grünen Wiese zum Landen an. Ich schäle mich aus den im Tal viel zu warmen Thermoklamotten, setzte mich in das erdig duftende Gras und genieße die Stille. Es sind diese Momente, die sich tief im Gedächtnis verankern. Es war weder eine kilometerträchtige Rekordstrecke noch eine ausgefeilt spektakuläre Route. Aber es war eine kleine Reise. Mit dem thermischen Lift zu schneebedeckten Gipfel aufsteigen, unter pulsierenden Wolken hinfort gleiten und in einem urigen Flusstal bei sommerlichen Temperaturen den Flug Revue passieren lassen.

 

2015

…das Flugmekka der Gleitschirm- und Drachenszene.

Bereits früh im Jahr, während sich die Hänge der Nordalpen noch im eisigen Griff meterhoher Schneemassen befinden, geht hier an den Ausläufern der Südalpen thermisch richtig die Post ab. So zog es auch mich dieses Jahr in den beschaulichen Ort Semonzo, am Fuße des Grappa Massivs, um die erste Thermik- und Streckeneluft der Saison zu schnuppern und um mich mit meinem neuen Schirm vertraut zu machen. Die eisigen Nächte im unisolierten Transporter wurden mit tollen Flugbedingungen belohnt. So konnte ich mich zwischen dem Piavetal im Osten und der Brenta im Westen ergiebig austoben, Airtime sammeln und einfach in der Luft abhängen. Die Begegnungen mit den Einheimischen, die ich nach diversen Außenlandungen erleben durfte, waren durchweg positiv und von Hilfsbereitschaft geprägt. Eine deftige und reichhaltige italienische Küche rundeten den überaus gelungenen Frühjahrstrip ab.