2016

Streckenfliegen mit Freunden

Den Krn zu überhöhen und mit einer Schar Geier darüber hinwegfliegen zu dürfen, war ein absolut erhabener Moment!

 

2015

Stol und Lijak | Soaring- und Thermikkanten der Superlative

 

2014

Vereinsausfahrt mit den Schwarzwaldgeiern

 

Es rumpelt fürchterlich und es will einfach nicht aufhören. Obwohl der Kleinbus bis auf den letzten Platz besetzt ist, werden die Passagiere von links nach rechts und wieder zurück geworfen – wie Schunkeln auf dem Oktoberfest in Marathonlänge.

Nach einer gefühlten Ewigkeit lichtet sich der Wald und die Schotterstraße klettert den ab dieser Stelle waldlosen Kamm des Stols hinauf. Die letzten Meter. Der Motor japst, die Stoßdämpfer jammern. Wir halten und endlich fliegt die Tür auf. Mit flauem Magen schäle ich mich aus meinem Sitz und blinzle in die schon kräftig heizende Vormittagssonne.

Der Blick ist atemberaubend. Nach Osten hin öffnet sich das Sočatal und schlängelt sich sanft in Richtung Tolmin. In Richtung Westen wird das Gelände deutlich schroffer. Ich recke meinen Hals. Irgendwo da im Westen verläuft die slowenisch-italienische Grenze. Mein Blick wandert nach oben. Erste Wolkenfetzen bilden sich über der massiven geschlossenen Bergkette des Stols. Dies wird ein guter Tag, sage ich mir.

Ich schultere meinen Schirm, stapfe einige Meter bergauf und finde ein schönes Plätzchen mit weichem Gras oberhalb des stark bevölkerten Hauptstartplatzes. Es sollte bereits tragen. Einige Piloten machen sich startklar. Ich warte noch etwas. Die zeitaufwändige Auffahrt schreckt mich vor einem verfrühten Start mit noch bestehenden Absaufrisiko ab. 1, 2, 3 Piloten starten direkt hintereinander. Nur wenige Augenblicke später kreisen bereits eine Handvoll bunter Schirme munter über dem Bergrücken. Ich mache mich startbereit. Ein letzter Müsliriegel verschwindet in meinem Mund und wird von einem kräftigen Schluck Wasser heruntergespült. Nun sollte alles passen.

Ich breite meinen Schirm aus und hänge mich ein. Die thermischen Ablösungen wehen nun stetig und in regelmäßigen Abständen den Startplatz hinauf. Ein sanfter Zug an den A-Leinen und gemächlich steigt die Kappe über mich. Kurz anbremsen und stabilisieren, Hinterkante und Leinen kontrollieren, ausdrehen. Ich habe eine gute Phase erwischt. Schon nach wenigen Schritten bin ich airborne. Unmittelbar strömt der warme Aufwind unter das Untersegel meines Schirms und hebt mich sanft in die Höhe. Ich achtere zunächst zaghaft, dann dynamisch am Hang bis ich den Berggrat unter mir weiß.

Nun aber hinein in den Vollkreis. Das Vario piepst ununterbrochen, lässt viel Schräglage zu. Ich gewinne schnell an Höhe. Kreis beenden, halb hinein in den Beschleuniger und Abflug in Richtung Gemona. Es läuft. Mit einem Nullschieber hangle ich mich über die felsiger und schroffer werdende Bergkette nach Westen. Im Norden erhebt sich das mächtige Triglav-Massiv. Wolkenfetzen wabern um dessen schneebedeckten Gipfel. Auf halbem Weg nach Italien sieht das Gelände im Tal recht unlandbar aus. Obwohl es trägt, drehe ich um und fliege für’s Erste die Sicherheitsvariante zurück in Richtung Startplatz und anschließend weiter an den Ostausläufer des Stols.

Um die Strecke zu verlängern, kehre ich nochmals um, fliege erneut zum Starplatz und wieder retour nach Osten. Nun aber auf nach Tolmin. Als ich die geschlossene Bergkette des Stols verlasse bin ich recht hoch und wage direkt den Talsprung über die Soča, die ab hier in nordwestliche Richtung weiter fließt. Mit ausreichender Höhe zur Thermiksuche komme ich am nächstgelegenen Südausläufer an. Doch obwohl die Sonne voll auf die geschlossenen Bergflanken brezelt, geht hier nichts. Rumdrehen und erneut durch das Sinken pflügen will ich nicht. Also weiter.

Ich kämpfe mich so lange ich kann in östliche Richtung vor, nehme jede kleine Thermikblase mit. Am Ende soll es bis Tolmin nicht reichen. Bereits recht tief suche ich mir eine schöne Wiese aus und lande ein. Glücklich über den schönen Flug packe ich meinen Schirm zusammen. Auf dem Rückweg marschiere ich fast eine Stunde die Straße entlang, ohne dass mich ein Autofahrer mitnimmt. Dann endlich erbarmt sich ein lokal ansässiges Bergsteigerpärchen. Ich werfe meinen Packsack auf die Rückbank des alten rußenden Dacias. Nach kurzweiliger Fahrt und nettem Gespräch setzen mich die beiden am Fliegertreff in Kobarid ab.

Neben der wunderschönen Streckenflugarena Sočatal beflog ich auch die beeindruckende Bergkette des Lijak in der Nähe von Nova Gorica. Wie beim Stol, so handelt es sich auch beim Lijak um eine gigantische, vollständig geschlossene Thermik- und Soaringkante. Wenn es in den Julischen Alpen bereits stark überentwickelt und schauert und ein Starten am Stol unmöglich wird, kann hier in Meeresnähe oft noch lange geflogen werden.

Streckenflüge führen entlang des idyllischen Vipava-Tals und bieten beeindruckende Ausblicke auf das Trnovo-Plateau und das nicht weit entfernte Adriatische Meer. Mit seiner westlichen Ausrichtung können bis in den späten Abend hinein genussvolle und entspannte Thermik- und Soaringflüge unternommen werden.