bike and fly – was ist das eigentlich?

 

Die Faszination zu Reisen wurde bereits in frühen Jahren in mir geweckt. Schon als kleiner Junge lauschte ich mit großen Augen und anhaltendem Atem den Reiseberichten meiner Eltern. Marokko, Indonesien, Thailand, Mexiko. Fremde, ferne Länder, deren Klang alleine den Atem des Abenteuers in meine Kinderstube wehte. Hinzu kamen die vielen Wohnmobilreisen in meiner Kindheit, die meine Eltern mit meiner Schwester und mir unternahmen. So werde ich zum Beispiel nie die faszinierenden Fahrten durch die raue Bretagne oder die wilden Landschaften Kastiliens vergessen. Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar dafür, dass sie mir ganz behutsam und ungezwungen den Spross der Faszination für das Reisen in meinen kindlichen Geist einpflanzten und ihn behutsam gossen und gedeihen ließen.

Reisen war und ist für mich noch immer nicht nur der objektive Vorgang des Betretens und Betrachtens anderer Länder und Kulturen. Nein, für mich ist Reisen die einzigartige Gelegenheit, meine Umwelt mit allen Sinnen rezipieren zu können: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken. Die Horizonterweiterung, die ich dabei erfahre, ist enorm und lässt mich jedes Mal angenehm erschaudern. Reisen verändert den Blick auf die Welt und die Reflexionen über das eigene Sein und Handeln.

Während meiner Reisen stellte ich fest, dass die Art und Weise wie ich unterwegs war, nämlich mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln, einer gewissen Begrenztheit unterlag, die gerade diesem Freiheitserlebnis Reise doch irgendwie immer ein wenig entgegenstand. Vorgegebene Routen von Bus und Bahn sowie die zeitliche Orientierung an Fahrplänen um sich im Reiseland bewegen zu können, ließen den Wunsch nach eigener selbstständiger Mobilität aufkommen. Aus diesem Grund bediene ich mich zur Erweiterung des eigenen Aktionsradius’ auf meinen Reisen seither eines Gefährts. Und was gäbe es Schöneres für mich als vom Motorrad faszinierter Mensch, eben ein solches als fahrbaren Untersatz zu wählen? Der Gedanke, sich von einem Motorrad mit all seinem puristischen Charakter durch die Welt tragen zu lassen, stets dem Fahrtwind ausgesetzt zu sein und die Freiheit zum greifen nah’ am Horizont zu erahnen, schürt meinen Abenteuerdrang und das Gefühl, auf der Stelle aufbrechen zu wollen. Eigenverantwortlich und ungebunden. Losfahren und Ankommen wann und wo es beliebt. Wie viel mehr wird erfühlt, wenn der Fahrtwind um den Körper streicht! Wie viel mehr der mannigfaltigen Düfte der Welt werden durch die Lungen eingesogen! Wie viel mehr wird gesehen, abseits ausgetrampelter und platt gefahrener Touristenrouten! Wie viel näher ist man den Menschen, denen man unterwegs begegnet, ganz ohne trennendes und separierendes Fahrzeugblech!

In dem Wunsch und Bestreben, unseren Planeten so vielfältig und abwechslungsreich wie möglich zu erkunden, formte sich neben dem Wunsch nach unabhängiger Mobilität ein weiterer Gedanke: Ich wollte meinen Blick auf diese Welt nicht nur auf eine Dimension, auf eine Perspektive beschränken. Reisen ist immer auch Grenzen überwinden, Grenzen verschwimmen und zerfließen lassen. Der Gleitschirm als das einfachste und unkomplizierteste aller Fluggeräte bietet mir dabei die einzigartige Möglichkeit, die Bodenperspektive zumindest zeitweise verlassen können. Abheben. Den Boden unter den Füßen verlieren. Entschweben. Faszinierende Landschaften aus der Luft betrachten. Vogelgleich. Grenzen nicht akzeptieren sondern einfach überfliegen.

So ziehe ich so oft wie nur möglich los. Mal mit dem Motorrad, mal mit dem Gleitschirm. Und die Eindrücke und Sinneswahrnehmungen, die ich bei diesem Wechsel der Perspektiven erleben darf, sind überwältigend. Ich empfinde es als großes Privileg, unseren Planeten auf diese unterschiedlichen Weisen kennenlernen zu dürfen.

bike and fly – das ist Reisen mit Motorrad und Gleitschirm – das ist Reisen zwischen Himmel und Erde.